Grosse Begriffsvielfalt und damit einhergehend Begriffsverwirrung. Zuerst mal kurz, was kann denn „Innovation“ bedeuten. Abgeleitet vom lateinischen Verb „innovare“ heisst das einfach „erneuern“ oder halt „Erneuerung“. Wir verwenden das Wort allerdings hauptsächlich um neue Ideen oder gar Erfindungen darzustellen („dies stellt eine Innovation dar“). Wenn man dem Wortsinn etwas nachgeht und auf die Wirtschaft umlegt kommt man darauf, dass es sich eigentlich erst um eine Innovation handelt, wenn diese Umgesetzt und im Markt etabliert ist, erst dann ist etwas „erneuert“!

Ich selbst habe an einem „Innovationsworkshop“ teilgenommen. Dort wurde definiert, dass alles, was ein Betrieb bisher nicht gemacht hat für diesen einen Betrieb eine Innovation darstellt. Das ermutigt die Teilnehmer, zeigt Ihnen, das für alle Innovation möglich ist wenn man sich nur anstrengt. Allerdings wäre es nach dieser Definition möglich eine Firma zu gründen und ein vierrädriges Auto als Innovation darzustellen – weil die Firma hat das ja noch nie vorher gemacht. Mir gefällt die Definition die den Eintritt einer Definition am Markterfolg misst viel besser.

Ebenso interessant sind alle Ansätze, dass man Innovationen strukturiert in einem Prozess herbei führen kann. Dies in Zusammenhang gesetzt mit der Definition „alles für den Betrieb Neue“ funktioniert natürlich – allerdings entsteht dadurch Evolution und nicht Innovation. Zu stark sind solche Prozesse abhängig von dem, was man hat. Ich denke, das kommt dem in Japan perfektionierten System des „Kaizen“ nahe. Dort ist klar eine „Veränderung zum Besseren“ im Wortinhalt und somit beginnt ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess – sehr nahe an einer Definition von Innovation, sehr weit weg von anderen Definitionen.

Aus meiner Erfahrung ist klar abzuleiten, dass Innovation meist verbunden wird mit dem Beibehalten von bestehenden, erfolgreichen Konzepten. Genau das bringt einen Betrieb aber unter Umständen nicht weiter. Das Kodak Beispiel: Kodak erfindet höchst innovativ die Digitale Photographie – stellt aber fest, dass diese Innovation den Erfolg der riesigen Sparte Filmmaterial konkurriert und gibt die Innovation wieder auf – in der Zwischenzeit ist Kodak wie wir wissen unter gegangen.

Innovation und echter Fortschritt beherbergt also immer das Risiko, dass eigene erfolgreiche Konzepte angegriffen werden – das macht natürlich Angst! Wer will sich schon selbst die grösste Konkurrenz bieten mit einem Produkt, dessen Erfolg noch nicht gesichert ist? Ebenso ist heikel, dass die Innovation von der Konkurrenz aufgenommen, kopiert und im aller dümmsten Fall verbessert wird – plötzlich hat die Konkurrenz mit unserer Idee das beste Produkt am Markt und wir kämpfen – keine schönen Aussichten!

Als Fazit zur Frage im Titel kann man sagen – kommt auf die Definition drauf an, aber meistens schon. Das vollständige Ablösen von bestehenden Werten und erfolgreichen Konzepten ist extrem schwierig und behindert das freie Denken in andere Richtungen. Somit kann Innovation nie in einem Sitzungszimmer und mittels Prozess entstehen. Viele gehen dafür wandern, gehen in die Berge und bleiben in allen Diskussionen unstrukturiert – ich denke, das ist die beste Weise das Problem anzugehen, bestehende Werte zu ignorieren.

Ich hatte mir das eigentlich nie so überlegt bisher – ein kurzer Satz von einem Berater in diesem Bereich hat mich aufgeschreckt. Dieser war „immer wenn ich Innovation höre, weiss ich, dass man nur bestehendes verbessern will und nicht bereit ist, an gänzlich neue Dinge zu denken“! Habe ich spontan einfach so abgetan als blabla – mit etwas Abstand habe ich das Gefühl, genau das schon mehrfach erlebt zu haben.

Bin gespannt ob zu diesem Post konkrete Beispiele rein kommen – vor allem würde mich interessieren, wie andere diese Loslösung von bestehenden Konzepten geschafft haben.