Am letzten Donnerstag war ich beim Esprix Award Event im KKL Luzern http://www.esprix.ch/esprix_forum/programm/. Klar, der Rahmen ist schon mal hochkarätig und bei Tickets zum Preis von fast CHF 800.– pro Stück  darf man ja an dem Tag auch etwas erwarten. Einige Redner waren angesagt, einige Unternehmergeschichten und Bundesrat Alain Berset. Durch den Tag führte Susanne Wille – dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, Ihre Ansagen waren professionell, zuweilen mit dem richtigen Mass an Emotion und Spontanität (zumindest kam das so rüber) versetzt – einfach gut.

Zu Beginn sprach Dr. Ralph Scheuss über „robuste Strategien“ – so grundsätzlich hat man da nicht sooo viel neues gehört. Die glasklare Analyse, dass wir uns an „die Krise“ einfach gewöhnen müssen, damit leben müssen. Es wird nicht DIE Krise geben voraussichtlich, aber ganz viele kleinere und mittlere Krisen welche sich im Zeitalter der Globalisierung sehr rasch auf alle auswirken können. Wie man da Strategien fundiert darauf aufbaut – klar ist, auch der Strategieprozess braucht zwei Dinge, die ganz wichtig sind: keine zeitliche Festlegung (nicht an einer Strategie festhalten bis alle Züge abgefahren sind) und Agilität zusammen mit dem Mut, alte Hüte über Board zu werfen.

Danach sprach Dipl. Physiker Heiner Koppermann, welcher sich mit seiner Firma (Swarmworks) dem Schwarm und dem Schwarmverhalten widmet. Grundidee dahinter ist, dass die Masse oft a) intelligenter ist oder b) effizientere Lösungen für eine Aufgabenstellung findet als einzelne. Ebenfalls benötigt ein Schwarm Einigkeit – irgendwo auch eine Art der Demokratie ist implizit darin versteckt – wie folgerichtig die bedingungslose Unterordnung des einzelnen im Schwarm. Wir haben mit reflektierenden Täfelchen (jeder Teilnehmer hat so eines erhalten) ein paar Fragen beantwortet und sehr schön die Grenzen der Technik aufgezeigt bekommen – die Frage nach „wie viele Sportler haben an den letzten olympischen Spielen teilgenommen“ hatte eine viel zu grosse Streuung in den Antworten als dass man diese hätte brauchen können. Beim alten Pong-Spiel (etwas neu aufgearbeitet) konnte man aber schön sehen, wie rasch eine Gruppe von Menschen sich anpasst und ohne Anweisung einige Dinge immer richtiger tut. Die eine Hälfte des Saales gewann das Spiel 7:2 – ich war auf der 2-Seite, bin ich deshalb jetzt schon nicht mehr gruppenfähig ;-)??

Es folgte Ron Kaufman zum Thema Service Levels in Bezug auf deren Qualität – Mega-Show, wir haben in jeder Situation am Freitag im Büro seine Dinge erwähnt, kopiert oder benutzt – eindrücklich! Ich schreibe da nicht viel dazu, weil auf http://www.ronkaufman.com das gesamte Erlebnis abrufbar ist. Mir hat  es extrem Spass gemacht – ein Beispiel vielleicht. Der Changi Airport in Singapur (Ron lebt als Amerikaner seit 20 Jahren in Singapur) hat die ersten „Erlebnis-Immigration-Desks“ – aufgebaut wie Lounges. Die Zöllner dort wurden angewiesen, die Kunden mit einem sehr freundlichen – aber auch recht langen Satz zu begrüssen. Das haben diese nicht zufriedenstellend umgesetzt. Neu gibt es dort Süssigkeiten und die Zöllner sind angewiesen, die Einreisewilligen mit zwei Worten zu begrüssen: Passport – Sweets! Nicht wirklich nett und freundlich – aber „Passport“ bedient, was ich erwarte und Sweets überrascht mich vom Zöllner – somit ist der Service extrem simpel und doch überraschend.

Die Gespräche mit Unternehmern waren aufgebaut als Talkrunde mit Susanne Wille auf der Couch. Zuerst kam Frau Bea Petri, Gründerin der Schminkbar und einer Schule in Afrika. Ich weiss nicht so recht, vielleicht lag mir das Thema zu weit weg. Sie hat durchaus das Engagement getreu rüber bringen können und ich bin beeindruckt von der Energie – aber eben, ich schminke selten und somit kann ich die Idee auch schlecht bewerten. Monisha Kaltenborn als CEO in der Männerwelt beim Sauber F1 Team trat in der ihr eigenen – sehr klaren und relaxten Form auf. Durch nichts aus der Ruhe zu bringen, immer fundiert, immer emotionslos. Ich bin aber – ohne irgendwelches Wissen dazu zu haben – absolut überzeugt, dass die Frau auch GANZ anders kann wenn es denn sein muss. Als letzter kam Alexander Zwyer von Zwyer Kaviar. Eine spezielle Idee, Kaviar nicht aus Russland – alle Fische mit Chips versehen somit kann man jedem Fischei in der Dose nachweisen, wo es schon rum geschwommen war usw….ich wurde allerdings das Gefühl nicht los, dass dort viel Geld vernichtet wurde – und das muss man zuerst mal haben. Grundsätzlich habe ich halt auch Mühe mit Markenstrategien, die auf die obersten xx ausgerichtet sind auf Grund ihres Preises und der vorhandenen Menge.

Alain Berset „sang“ ein abgelesenes Loblied über den Werkplatz Schweiz und dessen Innovationskraft – wie auch einige andere Dinge. Grundsätzlich hatte er in dieser Runde obwohl inhaltlich hochwertig und am richtigen Ort platziert aus rein rhetorischen Gründen keine Chance positiv heraus zu stechen. Ich mag Ihn, die Rede war gut – dass er sich dorthin begab für eine Stunde war auf jeden Fall lobenswert (unter den CEOs glaube ich wird er nicht viele SP-Wähler angesprochen haben…). Ich bewundere bald jeden Politiker, alles macht man falsch, jeder hackt auf einem rum – und viele gehen dann bei Wahlen doch nicht an die Urne, nehmen also noch nicht mal ihre rudimentärste Pflicht in der Demokratie war – ausser motzen! Gratulation – ich hoffe er kann noch lange sagen dass die Auseinandersetzungen im Gesundheitswesen Spass machen.

Als letzten durften wir Dr. Reinhard K. Sprenger – er nennt sich „Führungsexperte und Bestsellerautor“ – zuhören. Wortgewaltig, irgendwie lässig und eloquent, rhetorisch enorm – und IMMER suggestiv! Es war eine echte „Freude“ da zuzuhören – alle Fragen die er als Fragen an uns gestellt hat konnte man für ich nur mit Ja oder JA beantworten. Grundsätzlich geht auch er in die Richtung dass es ein Fehler der Organisationen sei, die Leute zu „ändern“ – er prangert da auch locker gesamte Mitarbeiterförderungsprogramme an. Für mich war seine Botschaft, dass es bei Mitarbeitern einfach mal grundsätzlich eine grosse Übereinstimmung zur Organisation geben muss – ansonsten es nie klappen wird. Aber – und das ist irgendwo nicht neu aber immer wieder schön zu hören – es wäre einfach die Organisation zu ändern als die Leute, die darin sich aufgehoben oder eben nicht aufgehoben fühlen.

Musikalisch wurde das ganze zweimal von der MozART GROUP unterstützt – coole Typen bei denen man trotz grundsätzlich klassischer Musik und Instrument nicht nur schmunzeln, sondern lachen kann. Damit so was geht, muss man sein Handwerk natürlich zuerst SEHR gut verstehen, was die Herren ohne Zweifel tun http://www.mozartgroup.org und einiges auf youtube.

FAZIT: Amerikaner machen die besseren Bühnenshows an solchen Events als die Deutschen und die Deutschen sind uns Schweizern rhetorisch um Welten überlegen. Dadurch wird es extrem schwierig, die Inhalte in deren Qualität zu vergleichen. Dieser Tag hat sich – wenn auch wirklich schweineteuer – absolut gelohnt. Kritik am Rande – für dieses Geld müsste das Catering mit einem „Wow-Effekt“ auffahren oder zumindest „surprising“ (um zwei Begriffe zweier Redner zu verwenden, wer da war, weiss wovon ich rede) sein – für mich war es höchstens „basic“! Die Redner allerdings, die waren „wow“ – und das ist es ja eigentlich, weshalb man solche Veranstaltungen besucht. Danke dass ich dabei sein durfte, es war ein toller Event, perfekt in Ablauf und Organisation – was hätten wir von uns Schweizern an solch einem Anlass auch anderes erwarte dürfen!