Die Qualen der Pendlerei….

Seit nunmehr etwas mehr als einem Jahr arbeite ich ca. 3 Tage pro Woche in Zürich und bin somit gezwungen von Bottmingen auch dorthin zu kommen (ca. 90km). Da gäbe es in der Theorie ja verschiedene Varianten – die logischen und praktikablen wären das Auto oder der Zug. Für mich war sehr schnell klar, dass es nur der Zug sein kann – die Autobahn von Basel nach Zürich ist immer verstopft oder zumindest sehr voll. Dazu kommt, dass ich die Zeit im Auto als absolut verlorene Zeit anschaue – ich kann ja nichts anderes machen als Auto zu fahren oder vielleicht noch Radio zu hören.

Auch ökologisch ist mir das nicht ganz geheuer – wäre doch viel Benzin oder Diesel das da verbrennt würde wenn ich mit dem Auto fahren würde. Ich muss dazu auch sagen, dass mein Arbeitgeber strategisch die Büros immer in der Nähe des Bahnhofes platziert, das macht den Entscheid nochmals einfacher. In den meisten Städten ist es kein Vergnügen mit dem Auto zum Bahnhof zu kommen und es ist auch meist keine einfach Sache einen Parkplatz zu finden.

Zuerst muss ich zum Bahnhof – das mache ich wie früher als ich in Basel in der Stadt gearbeitet habe mit dem Fahrrad – ausser jetzt vielleicht mal bei Schnee, da geht das dann auch mit dem Tram. Da ich nur wenige Kilometer vom Bahnhof Basel weg wohne, bin ich in gut 10 Minuten mit dem Fahrrad da. Dann in den Zug, der hat 53 Minuten und dann zu Fuss ins Büro. Tür zu Tür dauert das ganze wenn es optimal läuft ca. 1h15Minuten. Meine wenigen Versuche mit dem Auto haben mindestens genau so lang gedauert… ;-)!

Das ist aber eine lange Zeit, deshalb arbeite ich auch im Zug. Ich habe Zugriff auf alles, was ich zum Arbeiten brauche, wenn ich Internet-Zugang habe. Notebooks, deren Akkus und die Startzeiten sind heute ja echt geeignet für diese Art des Arbeitens, überhaupt komplett ohne Stress was die Technik angeht. Was das Internet unterwegs angeht allerdings schon, die Abdeckung ist nicht perfekt und die SBB investieren m.E. zu wenig in die Verbesserung der Situation. Aber es geht – und somit sind die rund zwei Stunden Fahrt sehr produktiv nutzbar und ich werte diese ohne schlechtes Gewissen als Arbeitszeit.

So gesehen erachte ich das Pendeln nicht als Qual. Wenn es ohne geht  – man sich also einen Job im nahen Umfeld krallen kann – ist das für die Lebensqualität sicherlich zuträglich. Auch bin ich froh, dass es nicht 5 Tage die Woche sind, das wäre nochmals anders. Wie auch die Tatsache, dass ich nicht immer um 7:30 anfangen muss. Es gibt also schon ein paar Eckpunkte, wann pendeln geht und wann es aus meiner Sicht nicht gehen würde:

– flexible Arbeitszeiten

– kurzer Weg vom Bahnhof zum Arbeitsplatz

– mobiles Arbeiten während der Zugfahrt möglich

Ich kann mir das auch noch längere Zeit vorstellen – und ich mach das auch in der zweiten Klasse – zumindest im Moment. Sitzen kann ich immer, breit genug ist eigentlich auch – ich denke der Aufpreis rechtfertigt für mich, meine Strecken und meine persönlichen Bedürfnisse den Aufpreis nicht.

Sollte jemand einen „Traumjob“ angeboten bekommen, bei dem man pendeln muss schlage ich vor, nicht gleich abzulehnen sondern die obigen paar Punkte zu prüfen und einen Versuch zu starten. Für mich ist der Versuch bisher geglückt.

Aha – es gibt ja noch die Nahverkehrspendler, da sieht das alles ganz anders aus – Züge überfüllt, verspätet und vieles anderes mehr – da lobe ich mir das Pendeln auf der Fernverkehrsstrecke! Lieber Zürich (90km) als Liestal (15km), da stehe ich dazu!

2 Comments

  1. Hallo Herr Tschan!

    Ich kenne das, so war ich doch die vergangenen 3 Jahre täglich von Laufenburg (AG) nach Zürich mit dem Auto unterwegs.

    Hier kamen pro Tag ganze 120 KM zusammen, das Tacho nach einer Woche mit 5 Arbeitstagen, zeigt somit schockierende 600 KM mehr an!

    Gut, die hälfte der Zeit waren es wegen Wohnortwechsel „nur“ 90 KM täglich Hin- und zurück.

    Die Bahn kam hier nicht in Frage, 3x umsteigen und knapp 45 länger pro weg.

    Gerade wenn Winter war und somit die Strassen noch voller gestopft, hies es gleich nach Abfahrt vom Arbeitsplatz – FREIZEIT ADè! Kilometerlange Staus usw.

    Das kann dann mal ganz schön auf die Seelische Verfassung hauen, ein Umzug in die Nähe kam aus privaten Gründen nicht in Frage.

    Heute, seit geraumer Zeit, arbeite ich im gleichen Ort an dem ich wohne – Was für ein Luxus! 🙂
    Es geht nun zu Fuss zur Arbeit, wobei der Zeitaufwand 10 Minuten beträgt, was will man eigentlich mehr? Gewinn von 100% Lebensqualität!

    1. Guten Morgen!

      Vielen Dank für diesen Kommentar – in der Tat bestätigt diese „Geschichte“ meine Haltung zum Thema. Auto ist so richtig mühsam und verlorene Zeit – wenn Zug einfach klappt ok, sonst sollte man sich Varianten der Beschäftigung überlegen!

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