all diese Aussagen hört man in Basel zum Thema Verkehrspolitik – und wahrscheinlich haben alle am einen oder anderen Ort recht.

Was ich mich frage – kann und soll eine Stadt denn Auto freundlich sein oder kann eine Stadt zu viel Fokus auf den öffentlichen Verkehr legen? Für mich klar zweimal „nein“. In der Stadt wird der automobile Individualverkehr immer Probleme haben, politische Ausrichtung hin oder her. Wenn ein Mensch, der in eine Stadt kommt immer ca. 10 m2 Land benötigt, damit sein Gefährt geparkt werden kann ist das ein Problem per se – ich kann in keiner Weise verstehen, wie man diese Probleme auf die Politik oder die Strassenführungen und -planungen schieben kann.

Ich selbst gehöre zu den Radfahrern oder ÖV Fahrern in der Stadt. Warum? Ich bin zu Stosszeiten deutlich schneller am Ziel, habe mich nicht über verstopfte Strassen geärgert oder darüber, dass ich keinen Parkplatz gefunden habe und ich war an der frischen Luft und habe mich einmal am Tag etwas bewegt. ÖV ist für mich im Prinzip nur der Ersatz des Velos bei sehr schlechtem Wetter (siehe oben, die Autofahrerprobleme möchte ich mir einfach nicht aufhalsen).

Woher kommt denn aber diese abweisende Haltung der Autofahrer gegenüber eigentlich fast allen anderen Verkehrsteilnehmern (auch Fussgänger freundlich ist ja ein Unwort der Auto Lobby….)? Bei den Velofahrern ist mir das klar – auch ich ärgere mich immer wieder über meine Kollegen – kein Licht, nicht beachten sämtlicher Verkehrsregeln usw – das geht nicht und dafür gibt es keine Entschuldigungen oder Ausreden. Eher korrekt finde ich, dass Velofahrer je nach Vergehen weniger teure Bussen erhalten als Autofahrer, da denke ich macht die Gefährdung Dritter durch Fehlverhalten doch etwas aus.

Ich mag mich erinnern als Ende letzten Jahres ein Velofahrer in einem Basler Stadtpark nachts im Fahrverbot ohne Licht einen Fussgänger umgefahren hat, die Zeitungen haben tagelang darüber berichtet (alles was er gemacht hat, geht nicht und ich will in keiner Weise sein Verhalten für richtig erklären). Es kam mir aber doch vor, dass die täglichen Unfälle mit Fussgängern und Autos, die oft mit wesentlich schwereren Verletzungen enden weit weniger schlimm sind als so etwas. Klar gibt es auch viele „Zwischenfälle“ mit Fussgängern und Velofahrern – aber die Kräfteverhältnisse sind da doch recht ausgeglichen….

ÖV will ich gar nichts dazu sagen, die meisten, die wegen überfüllten Trams usw. die öffentlichen Verkehrsmittel nicht benutzen kennen diese nur von Tagen, an denen sie z.Bsp. wegen zu viel Schnee nicht mit dem Auto gehen konnten – dann ist natürlich auch jedes Tram überfüllt, stellt aber nicht den Normalfall dar – und zumindest in Basel ist der ÖV spottbillig…

Hmm – aus dieser Situation kommt man wohl nicht raus – die Autofahrer (ich bin übrigens auch einer, keine Angst, und ich rege mich auch auf ab Velofahrern die fahren wo sie wollen – merke aber auch immer wieder, dass ich Fehler mache im Verkehr, welche einen Velofahrer oder Fussgänger gefährden könnten….) werden die Starken bleiben wollen, was immer da kommt, Velofahrer werden nicht alle plötzlich anständig werden……

Was sicher SEHR hilfreich wäre, wenn alle meine Erfahrung hätten und in der Stadt beides machen – oder alle drei Dinge: Auto fahren, Velo fahren und zu Fuss gehen. Dabei werden einem Dinge klar und man bewegt sich auf alle drei Arten anders zur Sicherheit von allen – sich selbst und anderen.

Und an alle Velofahrer ausser mir – Helme sind nicht uncool, Licht am Velo kostet keine Welt und ganz schwarze Kleidung erscheint mir im Winter nicht optimal – ebenso gelten Verkehrsregeln für alle…..!

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